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Die Entwicklung der Schweißtechnik auf der Volkswerft Stralsund 1948-1989

 

Wie im Kapitel „Chronik“ beschrieben, setzte die Werft bereits 1949 beim Bau der Logger ab erstem Schiff auf die Schweißtechnik. Genau genommen war die Entscheidung für die Schweißtechnik anstelle der traditionellen Niettechnologie schon früher gefallen mit der Ausarbeitung des technologischen Konzeptes zum Bau der 39 m – Logger. Die Zielstellung „vollgeschweißtes Schiff“ wurde auch von Beginn an in der Konstruktion des Loggers für die Sektionsbauweise umgesetzt (Unterlagen des Ing.-techn. Büros Fischerei-Schiffbau der UdSSR, Berlin-Karlshorst, und der Zentralverwaltung des Seeregisters der UdSSR zum stahlgeschweißten Logger)

Zu diesem Zeitpunkt arbeiteten auf der Werft acht ausgebildete Schweißer. Waren auch genügend Stromquellen ( Umformer/Gleichrichter) für das damalige E-Handschweißen vorhanden, so mussten in kurzer Zeit genügend Schweißer für dieses Verfahren qualifiziert werden. Die Volkswerft als Inhaber Lizenz „P4“ zur Ausbildung von Schweißern war damit in der Lage, in betriebseigenen Lehrgängen Kollegen auch aus metallfremden Berufen zu Schweißern zu qualifizieren.

Ein Schweisser 1949

Ein Schweisser 1949

Foto : Landesarchiv MV #14

Bereits im August 1947 hatte die Ing.-Bau Ges. m.b.H. den Bau einer Schweiß-werkstatt beantragt, deren Genehmigung im September 1948 erfolgte.

Ein weiteres Schweißverfahren war das Gasschweißen, das vorrangig im Rohrleitungsbau zur Anwendung kam.

 

Um die Effektivität beim Schweißen zu erhöhen stand die Mechanisierung und Automatisierung auf der Tagesordnung. 1951 wurden erste Schweißversuche mit einem Blankdrahtautomaten für das Schweißen von Kehlnähten durchgeführt.

Geschweißte Hecksektion eines Loggers

Geschweißte Hecksektion eines Loggers

1952 wurde das Zentralinstitut für Schweißtechnik (ZIS) in Halle gegründet. Hier waren alle Bereiche der Forschung, Lehre, Ausbildung und Normung gebündelt. Das ZIS Halle spielte bei der Entwicklung der Schweißtechnik in der Volkswerft eine wichtige Rolle. So wurde bereits 1952-1953 eine Schweißanlage für das Schweißen großer Bleche entwickelt und umgesetzt. Als Schweißverfahren wurde das Unterpulverschweißen ( UP-Schweißen ) eingesetzt, welches sich gegenüber dem E-Handschweißen durch eine hohe Abschmelzleistung auszeichnet.

Ab 1955 wurden die ersten Schweißversuche mit der CO₂-Schweißung durchgeführt. Ziel war auch hier, eine höhere Abschmelzleistung gegenüber dem E-Handschweißen zu erreichen. Die dafür erforderliche Gerätetechnik wurde zusammen mit dem ZIS-Halle entwickelt. Weiterhin wurde eine Drehvorrichtung für große schiffbauliche Sektionen aufgestellt. Dadurch wurde es möglich, bisherige Schweißungen in Zwangslage ( über Kopf ) in Normallage ( horizontal ) auszuführen. Neben der erhöhten Abschmelzleistung verbesserten sich auch die Arbeitsbedingungen.

1958 kam für das Schweißen von Kehlnähten das UP-Schweißen mit Gelenkarmen zur Anwendung. Für das Aufschweißen von Profilen auf große Bleche konnten so neben einfachen mechanisierten Traktoren größere Mehrkopfanlagen genutzt werden. Auch die CO₂-Schweißung war nun ein fester Bestandteil der eingesetzten Schweißverfahren.

1961 betrug der Anteil der mechanisierten und automatisierten Schweißverfahren bezogen auf die Schweißnahtfläche bereits 50 %. Dieser Anteil wurde stetig erhöht.

1968 konnte durch Eigenentwicklung das sogenannte „Warzenschweißen“ mechanisiert werden. Bleche mit Warzen (aufgeschweißte Schweißpunkte) kamen da zum Einsatz, wo es um Rutschsicherheit ging.

Schweisserinnen beim Bau des TROPIK

Foto : Landesarchiv MV #1430

Schweisserinnen beim Bau des TROPIK

Auch das Brennschneiden entwickelte sich weiter. Neben dem autogenen Brennschneiden (C₂H₂/O₂) kam auch das Plasmaschneiden für unlegierte Stähle zur Anwendung. 1968 konnte eine 4-Kopf-Plasmaschneidanlage ihren Betrieb aufnehmen.

Brennzuschnitt in der Halle 7

Brennzuschnitt in der Halle 7

In den 1970 und 1980-iger Jahren entwickelte sich die Schweißtechnik stetig weiter. Der Anteil der CO₂-Schweißung konnte erhöht werden, 2 UP-Anlagen zum Schweißen von Stumpfnähten standen zur Verfügung. 1987 erfolgten erste Versuche mit dem Schweißroboter ZIS 995 zum Schweißen von Kehlnähten. Der ZIS 995 basierte auf dem Baukastenprinzip und wurde im ZIS Halle konzipiert und entwickelt. Auf der Volkswerft wurden damit Mannlochringe aufgeschweißt.

Schweißversuche wurden mit Glasfaserbadsicherungen zum einseitigen Schweißen von Stumpfnähten durchgeführt. Ebenso gab es Schweißversuche mit pulvergefüllten Drähten nach dem Prinzip der CO₂-Schweißung, aber ohne Schutzgas. 1988 wurde mit Valutamitteln moderne Schweißtechnik in der Bundesrepublik eingekauft: MSG-Impulsschweißanlagen von Messer Griesheim und Cloos, eine Rohrbrennschneidmaschine sowie eine Orbitalschweißanlage für Rohre der Fa. Polysoude.

Eine große Herausforderung war die schweißtechnische Fertigung der Fischvorkühlbunker für den Fabriktrawler 488 aus austenitischem Stahl (Niro).

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